Was es bedeutet "auf den Herrn zu harren"

"Die Quelle" Blog

07 Mai, 2010 Jim Gettmann

In der Bibel taucht immer wieder eine bestimmte Wendung auf. Ich nehme an, es handelt sich um eine der Aussagen, bei denen wir alle uns ein wenig unbehaglich fühlen. Ich sprechen von den spannenden Worten: "auf den Herrn harren".

Psalm 27,14 ist ein gutes Beispiel: "Harre des HERRN, sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!"

Oder der wohlbekannte Vers: "die aber auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden."

In dieser schnellen Zeit haben die meisten von uns die Kunst des Wartens verlernt. Wenn es nicht sofort passiert, denken wir, es passiert gar nicht mehr. Und das bereitet uns Unbehagen. Wir bekommen das Gefühl, nicht mehr in Kontrolle zu sein. Wenn Gott unsere Gebete nicht sofort oder in einer relativ überschaubaren Zeit erhört, beginnen wir zu denken, da stimmt etwas nicht. Dass er sauer auf uns ist, uns nicht hört oder dass die Antwort "Nein" sein muss. Geduld ist zu einem Schimpfwort geworden.

Tut mir leid, dir das sagen zu müssen, aber wenn du jemand sein möchtest, der mit Gott in die Tiefe geht - oder auch nur der Ottonormalverbraucher, der Jesus persönlich kennen und lernen möchte, mit ihm zu gehen - wirst du wieder lernen müssen, auf den Herrn zu harren.

Ich habe mich manchmal gefragt, was diese Passage wirklich bedeutet. Soll ich einfach nur abwarten? Genug Zeit vergehen lassen und es wird schon werden? In manchen Übersetzungen heißt es "hoffe auf den Herrn". Soll ich also dasitzen und hoffen, dass etwas passieren wird? Beide Übersetzungen hören sich ziemlich passiv an. Und eine Ermahnung, passiv zu sein, hört sich nicht nach dem Gott an, den ich gerade kennen lerne.

Vor ein paar Tagen während einer Lobpreiszeit mit meiner Frau zusammen las ich Psalm 27 laut vor. Als ich an diese Stelle am Ende des Kapitels kam, kam mir der Gedanke dieses Wort - harren - nachzuschlagen und tatsächlich herauszufinden, was es bedeutet, auf den Herrn zu harren.

Beim Lesen des Verses auf Hebräisch fiel mir als erstes folgendes auf: das Wort harren hat im Hebräischen den gleichen Wortstamm wie das Wort für Hoffnung oder Hoffen, tikvah. Das Wort für harren heißt kavve. Das ergibt Sinn auf Hebräisch, glaubt mir. Wie ich bereits sagte, in vielen Übersetzungen ist dieser Vers mit "Hoffe auf den Herrn" übersetzt.

Andere Einträge sprechen von: Vertrauen, eifriges Suchen; zusammenfassen, binden (flechten).

Wenn ich ein hebräisches Wort verstehen möchte, überlege ich mir immer folgendes: "Welche Tätigkeit ist ursprünglich mit diesem Wort verknüpft?" Denn die hebräische Sprache und Kultur sind handlungsorientiert, nicht theorie- und konzeptorientiert. Zu Moses Zeiten war die Sprache in einem gewissen Sinn einfacher und alles gesagte war verbunden mit einer Handlung. Die Prinzipien, die wir in der Bibel finden, sind Adaptionen dieser Handlungen. Das ist für uns heute gut. Denn wenn wir darauf stoßen, kann uns die ursprüngliche Handlung ein Bild zeigen, dass uns besser verstehen lässt. Hebräisch ist eine sehr bildhafte Sprache!

Lange Rede kurzer Sinn. Das Bild hinter unserem Wort ist: Stränge, die zusammen gefasst und zu einem Seil geflochten werden. Was hat das mit geduldigem Warten und Harren auf dem Herrn zu tun?

Schau dir mal dieses Bild an. Du betest schon seit Monaten für deinen besten Freund. Er braucht einen Job. Du siehst nur das: dein Freund braucht einen Job und hat große finanzielle Schwierigkeiten. Bald bekommt er kein Arbeitslosengeld mehr. Wo ist Gott? Das ist doch ganz einfach! Der Mann braucht einen Job!

Gott allerdings ist dabei, Stränge zusammen zu fassen

Er weiß, das dein Freund, wir nennen ihn mal Robert, einen Job braucht. Er hat einen Plan für diesen Job. Aber er hat auch einen anderen Strang im Blick, den er benötigt um sein starkes Tau zu flechten. Er arbeitet schon lange an Robert, denn Robert muss Vertrauen lernen. Diese Situation ist eine ausgezeichnete Gelegenheit. Robert beizubringen, weise mit seinen Finanzen umzugehen, bildet einen anderen Strang, den der Herr im Blick hat. Wenig zu haben hilft ihm, Prioritäten zu setzen und zu haushalten.

Er sieht auch Roberts Frau. Sie ist schon etwas weiter damit, auf Gott zu vertrauen und Finanzen zu verwalten. Aber sie hat Schwierigkeiten, sich auf einen Mann als Versorger zu verlassen, da ihr Vater seine Familie nie versorgen konnte. Diese Angst muss sie loswerden.

Dann ist da Karl, der eine eigene Firma besitzt. Er könnte jemanden wie Robert gut gebrauchen, aber Karl macht lieber alles selber. Wenn es richtig gemacht werden soll, dann macht man es am besten selber. Der Herr arbeitet schon LANGE an Karl. Er muss aus dieser Eigenständigkeit heraus. WENN Karl richtig reagiert, wird daraus ein Jobangebot für Robert. Bisher hat er seine Lektion noch nicht gelernt.

Dann sind da noch Roberts Eltern, die lernen müssen, sich nicht ständig einzumischen und aufhören müssen, den "Kindern" zu früh zu Hilfe zu eilen. Und auch noch die Pubertierende Tochter, deren Materialismus langsam zum Problem wird.

Ich glaube, du hast verstanden.

Unser allmächtiger Herr tut so viele Dinge hinter den Kulissen, in den Leben so vieler Menschen. Es geht nicht nur um einen Job und nicht nur um Robert. Einige Stränge können wir sehen. Andere nicht. Aber Tatsache ist: Wenn er alle Stränge zusammen hat wird er sie genau in der richtigen Art und Weise zusammenflechten und dann siehst deine Gebetserhörung.

Beim Harren auf den Herrn geht es um Durchhalten, Hoffnung mit Erwartung und Vertrauen. Wissend, dass dein Gott dich nicht einfach warten lässt, um zu sehen, wieviel du "aushältst". Er ist ein Koch mit vielen Töpfen auf dem Herd und er bereitet ein Fünf- Gänge-Menu für dich zu. Er ist ein Maler, der an einem Meisterwerk arbeitet. Er ist ein Seilhersteller, der ein starkes Tau flechtet.

Du bist dieses Tau.

Wenn du also weißt, dass du "auf den Herrn harren" musst, schau mal etwas genauer hin und du wirst lauter Hanfstränge entdecken, von denen du gar nichts wusstest. Der Herr fasst sie alle zusammen und wenn er mit Flechten fertig ist, kommt dein Moment.

Was sind deine Erfahrungen mit diesem Thema: auf den Herrn harren?

Hast du eine tolle Geschichte darüber? Oder hast Du andere Kommentare oder Gedanken zu diesem Blog? Wie siehst Du es?

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