Jesus anzapfen, oder Le(e)hre tanken?

"Die Quelle" Blog

14. Oktober 2009 Jim Gettmann

Ich bin schon seit langem innerlich leer. Man könnte behaupten, dass das zu erwarten ist, wenn man seit langem weder einen "normalen" Gottesdienst besucht, noch eine anständige Predigt gehört hat. Es stimmt, dass es schon lange her ist, seit wir in einem traditionellen Gottesdienst saßen. Ehrlich gesagt, unsere Abwesenheit hat uns gut getan und überhaupt nicht geschadet. Natürlich sind wir immer noch in Gemeinde, denn: zusammen mit der Gruppe von Gläubigen mit der wir uns regelmäßig treffen, SIND wir die Gemeinde, die lebendige Gemeinde. Wir versäumen keine Gemeindeversammlung, aber eine Predigt hören wir nicht unbedingt regelmäßig.

Geistliche Leere

Um ganz ehrlich zu sein, war ich während meiner gesamten Laufbahn als Kirchgänger chronisch leer. Mein ganzes Leben lang habe ich Aussagen von Predigern gehört, die behaupteten, dass man bei jeder erdenklichen Gelegenheit Gottesdiensten beiwohnen und Programmangebote wahrnehmen soll. Nur wenn man ständig in Gottesdienst sitzt und die Predigt hört, wird man geistliche Nahrung bekommen. Ohne ihre Nahrung, so meinten sie, würde man geistlich schwach werden. Und im großen und ganzen war ich da. Treu. Äußerst gewissenhaft, sogar. Ich hörte mehr Lehre, als ich im Laufe von 3 Lebzeiten verdauen könnte, und auf jeden Fall mehr, als ich in die Praxis umsetzen könnte.

Ich tankte immer wieder mit guten Lehren auf: in Gottesdiensten, durch Bücher, durch Bibelschule, durch das Internet. Ich habe gutes und schlechtes gehört und ich habe gelernt, tatsächliche gute und von Gott inspirierte Lehre von Lehre zu unterscheiden, die bloß aus menschlichen Traditionen besteht und aus dem Fleisch stammt. Aber nur wenig, auch unter den besten Lehren, berührte mein Innerstes, wo diese Leere hauste.

Ich habe etwas merkwürdiges in Zusammenhang mit geistlicher Leere gemerkt. Normalerweise sind wir so sehr an Leere gewöhnt, dass wir gar nicht wissen, dass wir leer sind. Manchmal jedoch wird die Leere so akut, dass wir sie nicht übersehen können. In diesen Augenblicken laufen wir gewöhnlich zu einer "Lehrstation", um wieder aufzutanken. Wir sitzen da und saugen die Lehre auf. Wir denken über alles nach, was gesagt wird. Wir freuen uns über neue Erkenntnisse, versuchen sie ins Leben zu integrieren, bzw. ignorieren sie wenn sie uns beunruhigen, kritisieren den Prediger, wenn er etwas falsches sagt und hoffentlich, am Ende, bedanken wir uns bei Gott, dass er zu uns gesprochen hat.

All das bezeichnen wir als geistliche Nahrung. Und gleichzeitig regen sich die Anzeigeinstrumente unseres inneren geistlichen Tanks kein bischen. Ja, wir fühlen uns besser und sind uns sicher, dass wir unsere geistliche Pflicht erfüllt haben. Können wir aber wirklich sagen, dass wir mehr bekommen haben als ein Paar Krumen, die uns von unserem wirklichen geistlichen Zustand abgelenkt haben? Wenn man voll ist, weiß man es. Wenn man leer ist, merkt man es meistens nicht.

Manchmal wird die geistliche Leere unübersehbar. Das kommt in Zeiten, wenn uns plötzlich bewusst wird, dass wir irgendwie so viel Abstand zu Gott haben, dass wir weder aus tiefem Glauben noch in Gottes Vollmacht beten können. In solchen Situationen sind wir im großer Gefahr. Wenn wir mit uns selbst nicht ehrlich sind und unseren wahren Zustand nicht erkennen und vor Gott bekennen, dann sind wir in Versuchung, im Fleisch etwas vorzuspielen und zu versuchen, aus unserer eigenen Kraft und Weisheit Gott zu dienen. Wir fangen an, religiös zu werden.

Geistliche Völle

Es gibt noch etwas im Zusammenhang mit unserem geistlichen Zustand, das merkwürdig ist. Wenn wir geistlich voll sind, ist es uns bewusst. Leider scheint dieser Zustand so selten bei vielen Christen vorzukommen, dass sie gar nicht wissen, wie sie ihn beschreiben sollen. Wenn man versucht anderen zu erklären, was man gerade erlebt, fehlen die Worte.

Nach meiner Erfahrung treten diese Zeiten der Fülle oft scheinbar spontan auf. Manchmal fühle ich mich innerlich "angetan" nach einer besondern Anbetungszeit, in der ich aus dem Herzen anbeten konnte, und nicht nur sang. Zeitweise passiert es, nachdem ich meinen wahren inneren Zustand erkannt habe und ich zum Herrn um Hilfe geschrieen habe, nicht bereit einen "nein" als Antwort anzunehmen. Ich habe erlebt, dass Fülle nach tief empfundener Buße über mich kam, mit einem Gefühl in Herz und Seele wie von Sonne nach dem Regen. Und manchmal auch nach einer besonders intensiven Stillezeit, in der mein Fokus mehr darauf fixiert war, Gott zu berühren als von der Bibel etwas zu lernen oder bloß durch meine Gebetsliste zu beten.

Wenn wir geistlich voll sind, spüren wir es. Wir haben inneren Frieden. Wir fühlen uns ausgeruht, auch mitten in stressigen Situationen. Wir spüren etwas, das wir "die Gegenwart Gottes" nennen. Wir sind hoffnungsvoll, geduldig, ungezwungen freundlich und liebevoll, auf eine andere Art und Weise als sonst üblich, weil wir uns nicht anstrengen müssen, so zu sein. Es fühlt sich an wie das neue "Normal!" Wir wissen, dass wir in der Lage sind, mit den täglichen Versuchungen fertig zu werden. Den gleichen, die sich sonst oft von hinten anschleichen und uns in den Hintern beißen! Wir spüren, dass wir mit Gott selbst verbunden sind.

Nach meiner Erfahrung und ganz im Gegensatz zu dem, was Prediger erwarten und Dingen, die ich ansonsten bisher gelernt hatte., kommt es fast nie soweit durch Lehre, Predigt, Bibellesen oder Gebet, wenn es nicht durch Gott selbst inspiriert ist.

Verstehe mich nicht falsch: ich schätze Lehre, Gebet usw. Ich liebe sie, wirklich! Was ich aber noch dabei bin zu lernen ist, dass Lehre meinen Geist nicht ernährt. Sie ist geistlicher Nahrung nicht gleich.

Jesus als Speise

Jedes Mal, wenn Jesus in der Bibel über geistliche Speise spricht, wird das Wort "Speise" in Verbindung zu Jesus selbst verwendet. Die Bibel sagt nie, wir sollen die Bibel als Speise essen. Jesus hat nie gesagt, dass wenn wir seine Lehre oder die Heilige Schrift lesen, wir geistlich ernährt werden. Er sagte, "Ich bin das Wort Gottes." Er sagte, "Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten ... Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes esset und sein Blut trinket, so habt ihr kein Leben in euch ... Denn mein Fleisch ist wahrhaftige Speise, und mein Blut ist wahrhaftiger Trank. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. 57Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich um des Vaters willen lebe, so wird auch der, welcher mich ißt, um meinetwillen leben." Johannes 6,35;53; 55-57

Interessant! Von was Jesus hier spricht, ist etwas völlig anderes als Ernährung durch Lehre. Er spricht nicht von einer Nahrung, die den Verstand vollstopft, sondern davon, dass wir mit der Person Jesus Christus gefüttert werden. Wir essen Jesus und wir trinken sein Blut. Wenn wir das tun, werden wir Jesus zufolge sein Leben in uns haben. Und zwar ausschließlich in den Zeiten, in denen wir uns mit ihm nähren. Könnte es sein, dass das Gefühl, das wir haben, wenn wir geistlich voll sind, das tatsächliche Gefühl Gottes Lebens ist, das in und durch uns fließt?

Zugegeben, es klingt schon etwas widerlich zu sagen, dass wir sein Fleisch essen sollen oder sein Blut trinken. Es klang auch abstoßend zu der Zeit, als er es sagte. Und in der Tat waren viele seiner Nachfolger durch diese Worte aufgebracht und verließen ihn. Religion hat diese Aussage weiß getüncht und die Kraft seiner Worte mit Symbolik ersetzt und das ganze Abendmahl genannt. Es wurde sogar gesagt, dass wir durch das Teilen von Brot und Wein die Worte der Bibel erfüllen und wir in diesem Moment sein Leben empfangen.

Brot und Wein des Abendmahls sind aber Sinnbilder einer größeren Realität. Ohne die Realität gibt es wenig Wert im Bild allein. Was heißt es dann, wenn Jesus sagt, wir sollen ihn essen, dass er allein wahre Speise und wahrer Trank ist?

Übertragung des Lebens

Indem wir sagen, dass der Geist sich durch Jesus nährt, beschreiben wir die Übertragung des Lebens, die jedes Mal geschieht, wenn unser Geist seinen Geist berührt. Sooft ich zum Herrn schaue und mich nach ihm mit dem Herzen ausstrecke, bekomme ich geistliche Nahrung solange ich mit ihm verbunden bin. Wenn ich vor ihm sitze, und mich damit zufrieden gebe, dass ich nur zu ihm schaue und seine Gegenwart genieße, dann nährt sich mein Geist. Wenn ich Jesus ins Gesicht sehe und auf ihm warte, bis er anfängt, mit mir zu kommunizieren nährt sich während dieser ganzen Zeit des Wartens und Hörens, mein Geist durch ihn.

Mein Geist nährt sich durch Jesus, weil mein Geist nun mit seinem Geist verbunden ist und weil es eine Strömung und Übertragung seines Lebens in mich hinein gibt. Jesus gab uns noch eine sinnbildliche Darstellung. Er sagte, ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Solange ich, die Rebe, mit dem Weinstock, Jesus, verbunden bin, fließt der Saft, sein Leben, in mich hinein. Ich bin von Gottes Leben durchdrungen. Alles ist jetzt anders. Ich bin schnell erfüllt.

Dieser Prozess geschieht nicht automatisch. Ich bin nicht dadurch im Weinstock verwurzelt, dass gläubig und durch Gnade gerettet bin. Es wird von mir etwas verlangt. Ich muss aktiv werden und mich dafür entscheiden. Das hier ist etwas sehr einfaches aber doch tiefgreifendes. Der Herr sagte mir im Laufe des letzten Jahres immer wieder diese Worte: "Jim, du musst zu mir kommen! Komm einfach!" Wir müssen sehr bewusst zum Herrn kommen und das immer wieder. Und dann lernen wir, immer wieder diese Verbundenheit mit ihm hinein zu kommen. Und Letztendlich lernen wir, wenn wir erfüllt bleiben wollen, dort zu bleiben. In einer Herz zu Herz, Geist zu Geist Verbindung.

Es hört sich vielleicht ein bisschen esoterisch und substanzlos an, nicht so fleischig und gehaltvoll wie eine gute, saftige Predigt. Wahre geistliche Nahrung jedoch wird den Verstand nicht unbedingt fruchtbar machen, weil die Übertragung nicht auf der Ebene des Verstandes geschieht. Dein Verstand wird wohlmöglich gar nicht erkennen, was geschieht, während du vor dem Herrn sitzt. Dein Geist aber weiß, was zu tun ist. Er ist geschaffen für Gemeinschaft mit Gott, und dein Geist wird anfangen, sich aufzutanken. Wenn du weiterhin dem Herrn deine Zeit und Aufmerksamkeit schenkst, wird es nicht lange dauern, bis dir die geistliche Realität deiner wachsenden Fülle völlig bewusst wird und in dir überquillt.

Wie ich vorhin schon sagte, wenn man geistlich voll ist, weiß man das. Und wenn es jemandem bewusst ist, dass er erfüllt ist, ist es ihm vielleicht auch zum ersten Mal klar, wie leer er vorher war.

"He, ihr Durstigen alle, kommt her zum Wasser! Kommt her, auch wenn ihr kein Geld habt! Kauft und esst! Ja kommt, kauft ohne Geld, kauft Wein und Milch! Es kostet nichts. Warum gebt ihr Geld aus für Brot, das gar keins ist, den Lohn eurer Mühe für das, was niemand satt machen kann? Hört doch auf mich, dann bekommt ihr das Beste, dann esst ihr euch an Köstlichkeiten satt! Hört auf mich und kommt zu mir!" Jesaja 55,1-3

Was sind deine Einblick in "Jesus unsere Speise"?

Was nährt uns und erbaut uns geistlich? Ist eine Predigt wahre geistliche Speise? Oder ist wahre Speise die Verbindung zu Jesus, die sie entfacht? Teile Deine Gedanken mit uns!

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