Was kommt zuerst: das Huhn oder das Ei?

(Sollen unsere Gemeinden Bedürfnis-orientert sein?)

"Die Quelle" Blog

01. Oktober 2009 Jim Gettmann

Dumme Frage, oder? Manches lässt sich wirklich nicht hinterfragen.

Andere Dinge werden nicht hinterfragt, weil wir noch nie daran gedacht haben, dass etwas an unserer Sichtweise nicht stimmt. In der letzten Zeit musste ich immer wieder daran denken, dass wir sehr oft dem Huhn Vorrang vor dem Ei gegeben haben, oder vielleicht dem Ei vor dem Huhn. Besser gesagt, wir setzten die Karre vor das Pferd.

Was ich meine ist, was hat Vorrang? Das, was Gott sucht und will, oder das, was ich glaube, dass ich brauche? Soll ich in meiner Beziehung zu Gott, immer erwarten, dass Er sofort meinen Bedürfnissen nachgeht, das sie Vorrang haben? Ich glaube jeder, der an die biblische Offenbarung von Gott durch Jesus Christus glaubt, wird sofort erkennen, dass der Wille Gottes über allem steht.

Wessen Bedürfnisse sollen Vorrang haben?

Trotzdem sieht man überall heutzutage in christlichen Gemeinden, dass sowohl die Leitung als auch Gemeindemitglieder eine leichte Kursänderung von dem gegebenen gemacht haben. Wir haben die menschlichen Bedürfnisse in den Vordergrund gesetzt.

Predigten tendieren immer mehr dazu, Selbsthilfevorträge zu werden, in denen man ermutigt wird - anhand der Bibel natürlich - positiver zu denken, Dankbarkeit zu üben, und gute Praktiken, die wir aus der Psychologie für ein gesundes inneres Leben gelernt haben, anzuwenden. Diese guten Lebensphilosophien kann man auf die eine oder andere Art aus der Bibel herauslesen, also hat sich Gott bestimmt diese guten Lösungen selbst ausgedacht. Von daher funktionieren sie, ob durch die Bibel gelernt oder durch psychologisches Recherchieren. Oder so ungefähr kommt man zu dieser Schlussfolgerung.

Aber geben sie wirklich den Weg Gottes wieder? Ist es nicht viel eher so, dass Gott uns, wann immer es geht, an den Rand dessen bringt, was in unserer Kraft und in unseren Fähigkeiten liegt? Wie viele Menschen hat er schon zur Verzweiflung kommen lassen - in der Hoffnung und mit der Absicht, dass sie sich an ihn wenden sollten? Dass sie endlich ihre Selbtsständigkeit über Bord werfen damit er sie von innen heraus verändern kann.

Und dann hören sie irgendwann ein Wort, das geschrieben wurde "Durch schwere Zeiten zu helfen" oder sie laufen zum Seelsorger ihrer Gemeinde und holen sich gerade genug von außen nach innen um sich einen stabilen Verband anlegen zu lassen, und so wieder ein wenig leichter durchs Leben zu kommen. Und die Veränderung, die Gott sucht, findet nie statt.

Gemeinden und Gemeindeprogramme scheinen sehr darauf bedacht, den gefühlten Bedürfnisse der Menschen zu begegnen

Warum ist das so? Wir sagen uns, das sei so, weil wir damit die Menschen lange genug in die Gemeinden bekommen, um die gute Nachricht zu hören und gerettet zu werden. Oder dass es die Menschen "dort abholt wo sie sind" und sie deswegen immer wieder kommen.

Ich glaube, dass ein Grossteil der Antwort darin liegt, dass wir Angst haben. Angst, dass wenn wir die Botschaft Gottes nicht irgendwie an die gefühlten Bedürfnisse der Menschen anpassen, sich niemand mehr in unseren Gemeinden bekehren wird. Niemand wird unsere Predigten mehr hören wollen, wenn es ihm nichts direktes bringt. "What's in it for me?" - "Was kriege ich davon?" - lautet die typische Frage.

Ja, es stimmt. Menschen sind immer egoistischer geworden. Alles dreht sich um Sex, Geld und Ruhm, wie man sagt. Alles dreht sich um das, was mir ein Wohlgefühl gibt. Mit anderen Worten: das "Ich" steht im Mittelpunkt.

Muss es aber so sein, dass der gefallenen Natur der Menschen geschmeichelt wird? Eine vielleicht prägnantere Frage lautet: macht Gott das wirklich mit uns? Waren das Handeln und die Predigten Jesus bedürfnisorientiert?

Wer die neutestamentliche Geschichte gut kennt, muss mit Sicherheit dazu ein dickes Nein geben. Jesus heilte die Menschen, weil er barmherzig war. Seine Botschaften aber, waren Gott-orientiert, oder noch genauer gesagt, Reich Gottes orientiert. Das Wort Reich könnte besser mit dem Wort "Königsherrschaft" übersetzt werden. Daraus können wir erkennen, dass es der Vater war, der das Wort hatte, nicht die Menschen um ihn herum, die er doch liebte und denen er helfen wollte. Und er demonstriertre seine Liebe und Macht auf äußerst überzeugende Art und Weise.

Das die Botschaft Jesu nicht schmeichelhaft, und auch nicht bedürfnisorientiert war, sehen wir in Stellen wie Johannes Kapital 6. Jesus sprach zu der Menschenmenge über sich selbst als Brot und Wein, die gegessen und getrunken werden mussten, wenn man geistliche Speise haben wollte. Die Menschen waren entsetzt! Und auch unter Jesu eigenen Nachfolgern gingen viele weg und folgten ihm nicht mehr. Gottes Absichten und die Wahrheit selbst sind wichtiger als scheinbarer Erfolg unter Menschen.

Wenn man Jesu Predigten und Lehre genau anschaut, ist sofort klar: er redete provozierend, manchmal sogar schockierend. Seine Worte waren so provokant, dass man leicht denken könnte, er wollte sich mit ihnen verfeinden. Ihm war es egal. Er schockierte nicht um des Schocks Willen, sondern um den Menschen die Wege Gottes klar zu kommunizieren. Selbst das Wort "evangelium" war für die römische Regierung eine Provokation, weil dieses Wort damals nur dann verwendet wurde, wenn man die Geburt oder Ankunft eines neuen Königs ankündigen wollte.

r redete gegen die allgemeine Einstellung der Kultur. Er ignorierte ihre Traditionen und Bräuche (solange sie in SEINEN Augen nicht hilfreich waren). Seine Worte und Wege waren so anders und Kultur entfremdend, dass sie ihn am Ende töteten. Für mich hört sich die Geschichte nicht so an, als Jesus wollte den Menschen wohlgefällig sein.

Die Kursänderung

Wie ich sagte, aus Angst, die Menschen zu verlieren, haben wir die Kursänderung in unseren Gottesdiensten und Lehren gemacht, ihre Bedürfnisse in den Vordergrund zu setzen. Es gibt ein grosses Problem mit dieser Strategie. Wenn menschliche Bedürfnisse den Schwerpunkt bilden, dann machen wir Gott zu unserem Diener.

Wie man aber sagte, ist entweder "Christus Herr über alles, oder er ist gar nicht der Herr." Wir können nicht beide Varianten haben. Wenn Jesus unser Diener geworden ist, dann sind wir Menschen seine Herren geworden. Wie die durchschnittlichen Christen heute leben, ist es klar, dass sie die Botschaft geglaubt haben, auf einem sehr innigen Niveau, und sie herrschen im eigenen Leben, nicht er. Die Herrschaft Jesu Christi bleibt für sie nur Lippenbekenntnis, wenn sie überhaupt anerkannt ist.

Hat Jesus aber nicht gesagt, "Der Menschensohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele?" Ja. Aber er dient uns wie der übermächtigen Herr, der in Demut uns gerne heilt, dient, und die Tränen wegwischt, weil es zu seiner grossartigen, liebenden Natur gehört.

Wenn wir Jesus im Herzen und im Alltag dienen, wird sein Dienst unter uns eine neue Charaktereigenschaft annehmen. Er macht manchmal heute mit, wenn wir die Bedürfnisse der Menschen hochstellen, weil er uns liebt und weil wir es so wollten. So eine Freiheit hat er uns gegeben. Wenn er darauf warten müsste, das wir alles perfekt machen, dann wären wir für ihn unzugänglich. Nichtsdestotrotz weiss er, dass dieser Weg für uns selbstzerstörerisch ist. Und wenn wir mit ihm auf seinem Weg gehen, finden wir heraus, dass es sich wirklich lohnt!

Gottes Absichten haben Vorrang

Im Laufe der letzten 20 Jahre meiner Erfahrung in Charismatischen Kreisen habe ich einiges festgestellt. Mir wird zunehmend klarer, dass sich die meisten von uns Gott aus einer sehr egozentrischen Einstellung heraus nähern. Was gibt er mir? Ich suche ihn für das, was er mir geben kann. Oh Gott, ich brauche Dich! Ich brauche Heilung! Ich brauche eine Berührung! Ich brauche Weisheit! Ich suche den Frieden! Ich brauche Deine Ruhe! Fülle mich! Mehr, Herr!

Was ist aber mit den Bedürfnissen Gottes? Wer kümmert sich um sie? Kann es wirklich sein, dass der Allmächtige nicht in sich perfekt und selbstgenügsam ist? Es hängt von seinen Absichten ab. Wenn er Absichten mit uns hat, die mit seinem ganzen Plan und Zweck für die Schöpfung in Verbindung stehen, die von Entscheidungen und Handeln anderer abhängig sind - ja, dann hat Gott Bedürfnisse, denen nur andere, ausserhalb seiner Person, begegnen können.

Ist es nicht erstaunlich, dass Gott von Dir und mir abhängig ist? Wenn wir nicht nach seinen Hoffnungen handeln, dann kann er nicht das haben, wonach er sich sehnt und wofür er alles in die Wege geleitet hat. Was ist diese Macht, die in unseren Händen liegt? Es ist die Macht, das Herz Gottes zu erfreuen!

Ich habe mich entschieden: ich werde fortan Gott öfters nur dafür suchen, was ich ihm geben kann. Ich werde Zeit mit ihm verbringen, weil es das ist, wonach er sich sehnt - Gemeinschaft mit mir (wie er sich auch nach Gemeinschaft mit Dir sehnt). DAFÜR hat er uns geschaffen!

"Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet hat - durch unsere Beziehung zu Christus im Himmel. Denn in ihm hat er uns schon vor Erschaffung der Welt erwählt, einmal heilig und tadellos vor ihm zu stehen. Und aus Liebe hat er uns schon damals dazu bestimmt, durch Jesus Christus seine Kinder zu werden. Das war sein eigener gnädiger Wille und es diente zum Lob seiner herrlichen Gnade, mit der er uns durch seinen geliebten Sohn beschenkt hat." (Epheser 1,3-6)

Hier ist eine Frage, auf die Du Deinen Sinn für Logik loslassen kannst: Wenn Du Gott das in die Hand gibst, wonach er sich gesehnt hat (z.B. Deine Zeit, Liebe und Gemeinschaft), wie lange wird es dauern, bis Gott auf Dich so viel ausschüttet, und dass auch Du erfüllt wirst? Ich bin an einem Vers in den Psalmen erinnert: "und habe deine Lust an dem HERRN, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt!"

Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, dass, nachdem ich angefangen habe, Jesu Gegenwart und Nähe aus diesem Grund zu suchen, ihm Freude mit meiner Liebe und Nähe zu schenken, ist er mir nun so nah wie noch nie. Seine Freude, Ruhe und Schönheit berühren mich immer wieder im Laufe des Tages wie eine Lebensader mit der ich jetzt verbunden bin. Wenn ich vorher versucht hatte, ihm näher zu kommen, mit der Erwartung, dass er die Erfüllung meiner Träume sein sollte, war das, was ich mit ihm erlebte nicht von Dauer. Ab jetzt will ich aber die Erfüllung SEINER Träume sein ... und das ist doch etwas anders.

Und was ist mit den möglichen Gemeindebesuchern, die scheinbar nur auf eine bedürfnisorientierte Botschaft reagieren? Na ja, ich glaube, Menschen sind mehr durch Echtheit und auch Gottes Gegenwart (und auch durch echte Liebe) beeindruckt, als dass sie je auf eine geschickt verpackten und überzeugenden Selbsthilfepredigt reagieren würden.


War die Botschaft Jesu wie sie der heutigen Bedürfnis-orientierten Gemeinden?

Was denkst Du darüber? Sprach Jesus primär die Bedürfnisse der Menschen an, oder bat er ihnen das Heilmittel, auch wenn nicht gerade beliebt? Was sonst fällt dir in Verbindung mit diesem Thema ein?

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